Die Hüftkopfnekrose
Ein recht häufiges Krankheitsbild im Bereich des Hüftgelenkes ist die sogenannte "Hüftkopfnekrose". Wir verstehen darunter ein partielles Absterben der knöchernen Struktur des Hüftkopfes aufgrund mangelnder Durchblutung. Je nach Ausmaß der Hüftkopfnekrose kann dies zu einem Einbrechen der Hüftkopfkontur und damit zur Zerstörung der Gelenkfläche führen. Nach Literaturangaben erkranken in Deutschland pro Jahr ca. 10000 bis 15000 Patienten an einer Hüftkopfnekrose.
Die Ursachen
In vielen Fällen sind die ursächlichen Faktoren für die Entstehung einer Hüftkopfnekrose nicht bekannt. In Studien konnten allerdings Zusammenhänge zwischen dem Entstehen einer Hüftkopfnekrose und der längerfristigen Einnahme von Cortison, übermäßigem Alkoholgenuß, der Taucherkrankheit, Morbus Gaucher sowie der Sichelzellanämie beschrieben werden.
Zur Erkennung und Beurteilung der Hüftkopfnekrose sind neben den normalen Röntgenaufnahmen in der Frühdiagnostik Kernspintomographie-Aufnahmen erforderlich. Je nach Ausmaß der Hüftkopfnekrose sowie Alter des Patienten kommen unterschiedliche operative Verfahren zur Anwendung.
Symptome und Diagnose
Symptome einer Hüftkopfnekrose können Schmerzen im Bereich der Hüfte und Leiste, aber auch im Oberschenkel, Knie oder Gesäß sowie eine schmerzbedingte Gehbehinderung sein.
Eine frühzeitige Diagnostik mittels Kernspintomographie und darauf basierende chirurgische Therapien zur Vermeidung der Gelenkflächenzerstörung sind von sehr großer Bedeutung. Zum jetzigen Zeitpunkt wird leider in vielen Fällen die Diagnose erst im späten Stadium gestellt. Deshalb ist oftmals nur noch der Ersatz durch ein künstliches Hüftgelenk (sog. Endoprothese) möglich.
Behandlungsmethoden
Bei frühzeitiger Diagnose gibt es zur Zeit die folgenden angewendeten gelenkerhaltenden operativen Behandlungsmethoden, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen:
- Herddekompression
- Umstellungsosteotomie
Das operative Verfahren der Herddekompression beinhaltet das Anbohren des erkrankten Hüftkopfes mit Entnahme eines Knochenzylinders, der den nekrotischen Teil beinhaltet. Hierdurch kann auch der im Verlauf der Hüftkopfnekrose entstandene Druck innerhalb des knöchernen Raumes des Hüftkopfes entweichen. Der aufgebohrte Kanal kann anschließend mit frischem Knochengewebe aufgefüllt werden.
Durch eine Umstellungsosteotomie wird die Einstellung des Hüftkopfes in die Hüftpfanne verändert und so der abgestorbene Bereich des Hüftkopfes aus der Belastungszone entfernt. Im Rahmen der Umstellungsosteotomie wird zunächst der Schenkelhals durchgesägt und der Hüftkopf von dem Oberschenkel getrennt. Anschließend wird der Hüftkopf gedreht und gekippt. Danach wird der Hüftkopf mit entsprechenden Implantaten wieder am Oberschenkel fixiert.
Basierend auf der Behandlungsmethode der Herddekompression und der Möglichkeit, gleichzeitig eine adäquate sowie notwendige mechanische Unterstützung der Gelenkfläche des Hüftkopfes zu erzielen, wurde ein z. Zt. einmaliges Implantat-System entwickelt, welches für die frühen Stadien I und II (Klassifikation nach ARCO, Steinberg et. al.) der Hüftkopfnekrose einsetzbar ist (s. Abb.). Das Implantat-System wird bereits seit dem Jahre 1998 im Rahmen einer Studie in den USA mit sehr vielversprechenden Ergebnissen implantiert. In Europa wurde das System erstmals im Jahre 2001 in klinischen Anwendungen eingesetzt. Die bisherigen exzellenten Ergebnisse in den USA und Europa zeigen, dass es möglich ist, mit dem Implantat den Verlauf der Hüftkopfnekrose zu verlangsamen oder im Idealfall zu stoppen.
Auf den exemplarischen Röntgenaufnahmen sind auch 4 1/ 2 Jahre nach der Operation die intakten Konturen der Hüftpfanne und des Hüftkopfes sehr deutlich zu erkennen (s. Abb.).
Materialien
Ein weiterer wesentlicher Aspekt für den bisherigen Erfolg dieses Behandlungskonzeptes ist die erneute Durchblutung der bereits im Vorwege entfernten abgestorbenen Zone im Hüftkopf. Deshalb wird als Implantat-Werkstoff ein zellenartiges "Biomaterial" mit den gleichen strukturellen und mechanischen Eigenschaften von Knochen verwendet - das sogenannte "Trabecular Metal" (s. Abb.). Dieser Werkstoff besteht zu 98% aus Tantal, dem biokompatibelsten Metall und somit ein idealer Implantatwerkstoff zur Behandlung der Hüftkopfnekrose.
Denn dieser Werkstoff "Trabecular Metal" gewährleistet aufgrund seiner zellenartigen, dreidimensionalen und offenporigen Struktur bei gleichzeitiger mechanischer Abstützung der Gelenkfläche die Versorgung des Hüftkopfes mit frischen Blut- und Knochenzellen. Die wesentlich verbesserte Durchblutung unterstützt ideal eine erneute knöcherne Durchbauung im Bereich der ehemals abgestorbenen sowie entfernten Zonen des Hüftkopfes.